Julien Germain: Wozu Realdemokratie?



Als Realdemokrat verfüge ich über die unwiderrufliche demokratische Tugend und Notwendigkeit, andere Meinungen, Lebensformen, Überzeugungen, Religionen und Standpunkte zu respektieren. Deshalb muss ich sie aber lange noch nicht teilen. Bereits hier verfügt der Realdemokrat über ein Selbstverständnis, das sowohl den Extremisten als aber häufig auch Pseudodemokraten fehlt.

Realdemokratie bedeutet vor allem, der Demokratie in all ihren Facetten, Anwendungsmöglichkeiten und Bereichen so viel tatsächliche Volksherrschaft zu überantworten, wie es die demokratisch verfassten Gesetze eines Staates zulassen.

Bürgerrechte enden dort, wo andere in ihren Rechten beschnitten werden

Bedauerlicherweise haben wir es immer wieder mit missverstandener Demokratie zu tun, wenn Menschen vereinzelt der Meinung sind, dass sie sich im Rahmen einer existenten Demokratie nahezu alles erlauben könnten, was ihnen gerade so in den Kram passt. Die Bürgerrechte in einer Demokratie enden grundsätzlich dort, wo andere Menschen in ihren demokratischen Rechten eingeengt oder gar beschnitten werden. Dazu gehören beispielsweise Rücksichtslosigkeiten, Belästigungen, gewaltsame Übergriffe, Körperverletzungen, Beleidigungen, Verleumdungen, Denunziationen, Morde, Diebstahl, Ausbeutungen und Respektlosigkeit.

Menschenrechte sind ein fester Bestandteil der Realdemokratie

Die Einhaltung aller Menschenrechte ist also ein sehr wesentlicher Bestandteil einer gut funktionierenden Realdemokratie, denn niemand sollte je vergessen, dass er mit seinen Wünschen, Vorstellungen und Rechten nicht allein auf der Welt ist, sondern sich, wie jeder andere auch, inmitten einer Gesellschaft und damit einer gesellschaftlichen Ordnung befindet. Diese gesellschaftliche Ordnung ist keinesfalls eine Beschneidung demokratischer Rechte, sondern vielmehr die Voraussetzung für das Funktionieren dieser Rechte mit dem unabdingbaren Hinweis darauf, dass einjeder von uns auch seine Pflichten hat.

Ohne Pflichten keine Rechte. Ohne Rechte keine Pflichten.

So erkennen wir deutlich, dass sowohl Rechte und Pflichten komplementär miteinander verflochten sind: Ohne Pflichten keine Rechte, ohne Rechte keine Pflichten. In Deutschland ist die Demokratie an sich als tragender Verfassungsgrundsatz fest verankert. Umso erstaunlicher und fragwürdiger sind daher Verordnungen, Erlasse und Aktionen unserer Bundesregierung oder der Parteien, die diesen demokratischen Verhaltensrichtlinien oft und offenkundig in keiner Weise entsprechen. Hier bereits ist der notwendige Ansatz, von bloßer, schwammig angenommener Demokratie zur Realdemokratie zu konvertieren.

Pseudodemokratie ist ein fatales Sprungbrett für Extremisten

Die inzwischen sehr verbreitete Pseudodemokratie, die sich als eine geradezu stete Mischung von Demokratie, Diktatur und falschem Demokratieverständnis in der deutschen Parteienlandschaft breit gemacht hat, ist gleichzeitig ein fatales Sprungbrett für politische Extremisten jeglicher Couleur. Sie erkennen Ihre Chance dort, wo sich die Pseudodemokratie in aller Selbstherrlichkeit feiert, ohne ihre Scheuklappen auf dem linken oder rechten Auge zu entfernen. Wenn Weitsichtigkeit auf diese Weise verhindert wird, hat auch die Realdemokratie keine Entfaltungsmöglichkeiten mehr. Andererseits aber ist diese Regierungsform als ein Garant für die überwiegende Zufriedenheit der Bürger zu werten, während eine Pseudodemokratie auf Kurz oder Lang in eine unerlässliche Katastrophe führen wird.

Ignoranz der Geschichte ist gefährlich

Den historischen Aufzeichnungen können wir eindeutig entnehmen, zu welchem eigentlich nahezu immer vermeidbaren Unglück und Leid es für die Menschheit in immer wiederkehrender Regelmäßigkeit gekommen ist, nur weil sich die Ignoranz der Geschichte als ein fester Bestandteil politischen Wirkens manifestierte und Macht- und Besitzanspruch über allen Menschenrechten im Vordergrund standen. Die Realdemokratie hingegen setzt ausreichende Kenntnisse der Historie zudem voraus und lässt auch Ignoranten hier nicht zu, um eben die real zu installierende Demokratie zum Wohle aller Bürger nicht zu gefährden.

Demokratie muss auch Demokratie bleiben

Der Begriff „Demokratie“ stellte bislang in seiner Bedeutung ohnehin immer eine ziemlich schwammige Auslegungsweise dar. Da gab es die „Deutsche Demokratische Republik“, deren Bürger von tatsächlicher Demokratie allenfalls träumen durften. Selbst Hitlers Schreckensregime wurde seinerzeit in manchen Lexika als sogenannte „Führerdemokratie“ erwähnt, während sich inzwischen Nationalsozialisten als Nationaldemokraten darstellen, deren Demokratieverständnis aber bereits dort endet, wo sie ihre Extremistenführer noch demokratisch wählen dürfen. Es sprechen Linksextremisten wie Blinde von der Farbe, weil sie nie gelernt haben, was die wahren Inhalte einer Demokratie eigentlich ausmachen. Die pseudodemokratischen Volksparteien legen sich die demokratisch-diktatorischen (sprich: diktakratischen) Bausteine von Fall zu Fall so zurecht, wie es gerade ins Programm hinein passt und gehen mitunter selbst mit den eigenen Parteimitgliedern völlig undemokratisch ins Gericht.

Wenn der Wille des Wählers nicht mehr zählt

Wenn der Bürger zur Wahlurne schreitet, um dort seine demokratische Partei zu wählen, so hat er letztlich auch ein Anrecht darauf, demokratisch vertreten zu werden. An Stelle dessen wird er aber nur „diktakratisch“ verwaltet. Wenn hier der Wille des Wählers und damit des Volkes nicht mehr zählt, weil er durch dieserlei Handhabungen getäuscht, betrogen und durch die eigens gewählten Volksvertreter faktisch entrechtet wird, weil man ihm das Recht auf eine einwandfrei demokratische Vertretung seiner Person nicht zugesteht, muss mit dem berechtigten Aufstand eines Volkes gerechnet werden, der auch uns möglicherweise bevorstehen wird.

Die Wichtigkeit einer Realdemokratie

Schon hier erkennen wir, wie wichtig die Installation einer solchen Realdemokratie in Wirklichkeit ist, die sich beginnend vorzugsweise mit Geheimabstimmungen in den Parlamenten säen lässt. Allein damit wären alle Abgordneten ausschließlich ihrem Gewissen und nicht ihrer Partei gegenüber verpflichtet, wie es die deutsche Verfassung eigentlich auch bestimmt. Doch die Einführung der „Bildungsrepublik Deutschland“ (wenn sie denn kommt) ist für viele vielleicht schon der erste kleine und vernünftige Schritt, einmal selbst darüber nachdenken zu können, wie wichtig eine solche Realdemokratie für Deutschland und Europa wirklich ist, um nicht irgendwelchen Lobbyisten, Extremisten oder sonstigen Interessenvertretern sowie antidemokratischen Umtrieben eine Chance zu geben, sondern den Menschen eines Staates im Rahmen eines gesunden und tatsächlichen Gerechtigkeitsempfindens die optimale Lebensqualität in einer akzeptablen und menschenwürdigen Demokratie zu bieten und zu sichern.

via http://www.readers-edition.de/2009/01/17/wozu-realdemokratie

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Kommentare

Zumindest in meinen Augen.

Zumindest in meinen Augen. Das liegt daran, examcollection 350-080 dass ich Schnee hasse und davon über Nacht Tonnen vom Himmel gefallen sind. Vielleicht mag ich keinen Schnee, weil ich nie gut werfen konnte. Auch als Kind, wo ich äußerst selten irgendwen mit einem Schneeball traf, 350-080 vce

Hallo Gies,wenn ich mich

Hallo Gies,wenn ich mich richtig enenrire, standen wir schon damals im Kontakt. Tja, was sollen die Volkswagens auch sagen? Dort d rfte das Projekt schon l ngst vergessen sein. Die Initiatoren sind schon lange in Rente und/oder in der Hirarchie auf-/um- oder abgestiegen.Die Zeiten sind schnelllebig und das ist gut so. Bedauerlich, dass die Inhalte seinerzeit nicht f r die Seitenstark-Initiative gerettet wurden. Wer wei vielleicht ist der eine oder andere Entwickler ja noch am Ball, spielt weiter und meldet sich hier